Österreichisches Komitee Donauforschung
Internationale Arbeitsgemeinschaft Donauforschung

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Historisches

Donauufer
Blick auf die Donau aus einem Hubschrauber

Präsidentschaft Liepolt 1976-1983

Liepolt ging es um die nationale Verankerung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Donauforschung. Zu diesem Zweck begann er 1975 sondierende Gespräche mit führenden Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung mit dem Ziel zu führen, diese drei Bereiche in einer Vereinigung zusammenzuschließen - ein Gedanke, der später mit dem Schlagwort Ökologie -Ökonomie auch von anderen Institutionen übernommen wurde. Unter dem Namen "Österreichisches Nationalkomitee - Internationale Arbeitsgemeinschaft Donauforschung" (ÖN-IAD) legte Liepolt 1975 Statuten für einen Verein mit folgenden Aufgaben vor:

Die Gründungsversammlung des Vereines "Österreichisches Nationalkomitee - Internationale Arbeitsgemeinschaft Donauforschung" konstituierte sich am 25.2.1976, wobei die von Liepolt gewünschte Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung erreicht werden konnte. Daher war es nur logisch, Liepolt als Gründungspräsidenten zu wählen. Zunächst ging es Liepolt darum die administrativen und finanziellen Probleme zu lösen, um dem Verein eine "Lebensbasis" zu schaffen. Weiters ging es ihm um die Weckung des Interesses für die Erforschung der österreichischen Fließgewässer im allgemeinen und der Donau und ihrer Nebengewässer im speziellen. Die Donauforschung war eigentlich bis dahin ein Stiefkind österreichischer Forschungskonzeptionen, ein Umstand der sich bei der heftig diskutierten Frage um die Nutzung der Wasserkraft im Raum Hainburg noch als sehr negativerweisen sollte, da die für die sachlich zu führende Diskussion die notwendigen wissenschaftlichen Unterlagen nicht erarbeitet waren. Die Sicherung der finanziellen Basis für den Verein konnte Liepolt dadurch erreichen, dass potentielle Gebietskörperschaften und Wirtschaftszweige zur Mitgliedschaft bewegt werden konnten. Die Erforschung der österreichischen Donau konnte dadurch initiiert werden, dass im Rahmen des ÖN-IAD ein Forschungskonzept entwickelt wurde, die Limnologie eines Staues betreffend. Dieses Forschungskonzept wurde nach siebenjährigem Bemühen und kräftiger Unterstützung des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, einer interdisziplinären Arbeitsgruppe überantwortet, die ein erweitertes Projekt mit dem Titel "Ökosystemstudie Donaustau Altenwörth" der MaB-Kommission vorlegte. Dieses Projekt wurde 1984 für eine Laufzeit von 4 Jahren bewilligt, die Forschungsergebnisse wurden in der Reihe MaB-Veröffentlichungen 1985, 1989 und 2000 veröffentlicht. Mit Erreichung dieser beiden auch für Österreichs limnologische Forschung wichtigen Ziele sah Liepolt seine Aufgabe als Präsident des ÖN-IAD als erfüllt an und legte diese Funktion 1983 zurück.

Präsidentschaft Kohl 1983 -1996

Bei der rückblickenden Betrachtung der Aktivitäten in der Präsidentschaft Kohl gewinnen nicht so sehr spezielle Aktivitäten, so wichtig sie auch waren, an Bedeutung, sondern die grundsätzlichen. Dies deshalb, weil einerseits durch eine multidisziplinäre Betrachtungsweise in vielen Fällen besser abgesicherte Ergebnisse zur Feststellung eines Zustandes erhalten werden können, andererseits kann durch Einbeziehung von speziellem Detailwissen und die Beachtung von Nutzungswünschen und Rückkoppelungen im Sinne des vernetzten Denkens eine aussagekräftige Grundlage für Managementmaßnahmen gewonnen werden. In der Zeit der Präsidentschaft Kohl wurden die zwei großen und wichtigen Arbeitsgebiete Forschung und Information weiter fortgesetzt, teilweise intensiviert und erweitert. Die Arbeitsgebiete Forschung und Information sind in fast allen der zehn in § 2 der ÖN-Satzung genannten Auf gaben beinhaltet. Am Beginn der Präsidentschaft war es aufgrund günstiger finanzieller Gegebenheiten möglich, organisatorisch und fachlich an der großen Forschungsarbeit "Ökosystemstudie Donaustau Altenwörth" mitzuwirken. Diese im Rahmen des MaB-Programmes durchgeführte, zum Teil von der DOKW finanzierte, Studie bot erstmals die Möglichkeit, grundlegende Probleme in Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen zu erforschen. Die synoptische Betrachtung dieses Problems hat gezeigt, dass die multidisziplinäre Untersuchung wertvolle Ergebnisse zur Feststellung des Gewässerzustandes und einer eventuellen Verwendung liefert- In der Diskussion um die Staustufe "Hainburg" spielte das ÖN-IAD auf Grund der Ergebnisse der "Ökosystemstudie Donaustau-Altenwörth" eine wichtige Rolle, und als die Sistierung des Projektes feststand, war es das Bemühen des ÖN im Vergleich zu einem Donaustau, die "Freie Fließstrecke" der Donau zu untersuchen. Im Jahre 1989 wurde das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Ökoton Donau -March" vom MaB zur Förderung angenommen. Weiters wurden auch über 30 kleinere Forschungsvorhaben vom ÖN finanziert, die wichtige Detailkenntnisse erbracht haben und wertvolle Hilfen für die Untersuchungstätigkeit darstellen. Eine wichtige Förderungsinitiative des ÖN war die Herausgabe von Schlüsseln zur Bestimmung wichtiger Tiergruppen der Donau, einerseits weil ohne die Identifikationsmöglichkeit quantitative ökologische Untersuchungen nur beschränkt tauglich sind, andererseits die Heranziehung des wissenschaftlichen Nachwuchses auch über gebraucherorientierte Bestimmungsschlüssel ermöglicht wird. Die abgehaltenen Fortbildungskurse, Symposien, Workshops und Exkursionen fördern die Fort-, Weiter- und Bewusstseinsbildung der verschiedenen angesprochenen Personengruppen ebenso wie die Publikation von Forschungs- und Untersuchungsergebnissen. Auch die immer wiedergewährten Unterstützungen zur aktiven und passiven Teilnahme an Fachveranstaltungen im In- und Ausland ist der Information dienlich und fördert die Bemühungen um das so wichtige vernetzte Denken. In die Präsidentschaft Kohl fällt auch die Schaffung des "Reinhard Liepolt-Preises für Donauforschung" und die erstmalige Herausgabe des vereinseigenen Informationsblattes "Donau-Informationen".

Präsidentschaft Schiel seit 1997

Bedingt durch die politischen Veränderungen in Mittel -Ost und Südosteuropa konnten sich Aktivitäten der gesamten IAD in den neunziger Jahren nur begrenzt entwickeln. Das ÖN war deshalb in dieser Zeit hauptsächlich eigenständig tätig. Als markanteste Veranstaltungen sind einmal die Abhaltung eines "Large Rivers" Kongresses in Krems (Frühjahr 1995) sowie die IAD Jahrestagung 1997 (Herbst) an der Universität Wien (Biozentrum) zu nennen. Bei der "Large Rivers" Tagung waren die Beiträge in geographischer Hinsicht stark gestreut. Die "exotischsten" Vorträge bezogen sich auf den Amazonas sowie auf neuseeländische Gewässer. Für die Organisation der Tagung war dankenswerter Weise Unterstützung durch die Freshwater Biological Association/England erfolgt. Von den Tagungsbeiträgen existiert eine englischsprachige Publikation im Archiv für Hydrobiologie, Large Rivers. Die in den Jahren 1998 und 2000 vergebenen "Reinhard Liepolt-Preise für Donauforschung" ergingen jeweils an zwei Bewerber (Waringer-Graf und Dujmic- Tockner), im ersten Fall für die Erarbeitung eines Köcherfliegenlarven-Schlüssels, im zweiten für limnologische Untersuchungen an Donauseitenarmen und eine Publikation über Äschen in Buchform. Dass die politischen Neuordnungsprozesse in den "Reformstaaten" die IAD insgesamt gegenüber den siebziger-achtziger Jahren in den Hintergrund drängten, förderte die Tendenz, sich im ÖN inländischen Themen zu widmen. Beispielsweise waren anlässlich einer Tagung der österreichischen Akademie der Wissenschaften sämtliche Einzelreferate von ÖN-Mitgliedern gehalten worden (Universitätsangehörige, Vertreter des öffentlichen Dienstes). Thema der Veranstaltung war die Vollendung einer Zehnjahresreihe der "Gewässergüteforschung Neue Donau". Die Neue Donau ist in ihrer Anordnung als 21 km langes "Parallelgewässer" zum Donaustrom teils als Hochwassergerinne, teils als stehendes Gewässer weltweit wohl einmalig. Neben ihrer limnologischen Entwicklung ist vor allem der Nutzungsumstand bemerkenswert, dass sie in heißen Sommermonaten von hunderttausenden Wienern als Badegewässer aufgesucht wird. Die wichtigsten Mitwirkenden im "Team Limnologie", das die weiterhin erwähnte Gewässergüteforschung an der Neuen Donau besorgt, gehören dem ÖN an. Zur Förderung durch das ÖN gelangten diverse Forschungsprojekte mit den Schwerpunkten Eutrophierung, Makrozoobenthos und Makrophyten; sie beziehen sich auf Wienerwaldbäche, sowie Donau und March. In den letzten Jahren vereinfachte sich die innere Struktur des äN insofern, als die vormaligen Fachausschüsse "Organisation" und "Forschung" zu einem verschmolzen sind. Die neuen politischen und administrativen Verhältnisse in den "Reformstaaten" initiierten auch im ÖN eine Selbstverständnisdiskussion, die noch nicht abgeschlossen ist. Inhaltlich ist diese Diskussion grob mit den Stichworten NGO, die beiden Wechselbeziehungen Gewässerreinhaltung -Gewässernutzung sowie Gewässerverwaltung -Gewässerforschung, neu es Sponsoring, Öffentlichkeitsarbeit, Publikation gekennzeichnet.